Sonntag, 23. November 2014

Stadtwaldfeuer.

Wenn das Herbstfeuer den Fürther Stadtwald in Brand setzt, dann muss ich mindestens einmal hinauf auf den Turm der Alten Veste in Zirndorf, um mir das ganze Spektakel von oben anzuschauen. Lodernder Herbstwald bis zum Horizont und in die andere Richtung zumindest bis an die Stadt heran. Ein wundervoller Flächenbrand mit Feuerwerk, der keinen Schaden anrichtet und an dem man sich zwar nicht die Hände, dafür aber die Seele an einem klaren, kalten Novembermorgen wärmen kann. Inwendig warm für den ganzen restlichen Tag.














Der Aussichtsturm der Alten Veste thront inmitten eines wunderbaren Laubmischwaldes auf dem Rosenberg über Zirndorf auf den Resten einer alten Turmhügelburg aus dem 13. Jahrhundert. Nach 162 Stufen gibt es einen kostenlosen Blick weit über die Metropolregion Nürnberg-Fürth-Erlangen und nach Western über den Fürther Stadtwald in den Landkreis Bad Windheim. Ab und zu brauche ich diesen Überblick von oben. Und Ihr? Wo verschafft ihr euch heute den Überblick?

Wie es im Winter von dort oben aussieht? So.

Verlinkt mit Marias Sonntagsfreuden.
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Samstag, 22. November 2014

In heaven No. 140 - königliche Orientierungslosigkeit

Wären die Heiligen drei Könige heute und nicht vor knapp zweitausendvierzehn Jahren unterwegs gewesen, um den gerade geborenen Heiland zu finden und ihn zu beschenken, sie wären wohl jahrelang orientierungslos durch die Wüste geirrt und nie am richtigen Ziel gekommen. Im Jahre Null war ein leuchtender Schweif am Himmel noch eine so große Seltenheit, dass sie dem einen entspannt folgen und sich sicher sein konnten, unter ihm den Stall in Betlehem zu finden. Wo würden die Weisen aus dem Morgenland mit dieser Navigationsmethode wohl heute samt Gold, Weihrauch und Myhrre landen? Nirgendwo vermutlich, denn bei so vielen leuchtenden Schweifen am nächtlichen Himmel hätten sie wohl nicht gewusst, wohin die Reise gehen muss...
 



Freitäglicher Abendhimmel über Fürth-Unterführberg. 


Wer sich bewusst machen möchte, wie viele Flugzeuge dort oben am Himmel über uns gleichzeitig herumschwirren, der kann sich das zum Beispiel > hier anschauen. Ein Zoom über Deutschland löst zumindest bei mir Beklemmungen aus. Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg kann man dabei fast schon beglückwünschen. Zumindest, so lange das mit dem neuen Flughafen... und so. 

Für mich ist "blauer Himmel" nur die Minivalversion gegenüber der beeindruckenden und faszinierenden Dramatik, zu der unser Himmel in Verbindung mit Sonne, Mond und Wolken fähig ist. Deshalb zeige ich hier jeden Samstag eines oder auch mehrere Himmelsbilder, die ich die Woche über eingefangen habe. 
Wer mitmachen möchte ist herzlich eingeladen, seinen Himmel und den entsprechenden Post hier zu verlinken.
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Donnerstag, 20. November 2014

Novembertisch . Der heimelige Wald

Herbstwald ist mir in jedem Jahr eine ganz besondere Freude. Der feuchte Geruch von Bäumen, Erde, Moos, Holz und Pilzen freut meine Nase so sehr, wie sie das Gegenteil foltert. Selbst im Spätherbst, wenn die Laubbäume sich schon fast komplett nackig gemacht haben, liebe ich den Wald mit seiner feuchten Kühle und der Weichheit unter den Füssen. Jetzt dominieren die immergrünen Nadelbäume, das Moos und die Heidelbeersträucher mit ihrem satten dunklen Grün und ihrer spröden Stacheligkeit. Abwehrend und anziehend zugleich. Bald werden die ersten Winterbäume gefällt und dann gesellt sich der Geruch von Harz und Kiefernnadeln dazu und wird mich ein weiteres Mal in den Wald locken, um Zweige für den Advent nach Hause zu holen. Vorerst gebe ich mich mit einer kleinen Fichte und etwas Moos zufrieden, um einem kleinen Reh Unterschlupf zu bieten im heimeligen Wald. Heimwald.
 










Viele verschiedene Monatsansichten versammelt auch im November wieder Tabea zum 12tel Blick bei sich. 
Bei Helga treffen sich freitags die Freunde der Floristik.
Meine anderen Monatstische findet ihr  > hier.
 


(Ein Klick auf den Monat führt euch zum entsprechenden Post)
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Dienstag, 18. November 2014

Astnotizen.

Kommt ihr mit leeren Händen aus dem Wald zurück? Es gibt ja sehr gut zivilisierte Menschen, die gehen nur nach draußen, um dort spazieren zu gehen, aber sie verspüren keinerlei Drang alles Mögliche vom Boden aufzuheben und heimzutragen. Wenn sie etwas Schönes haben möchten, dann kaufen sie es einfach. Und dann gibt es die anderen. An denen ist die Evolution in gewissen Bereichen irgendwie gescheitert, die fühlen sich bei fast jedem Wetter draußen wohler als drin, ziehen den Wald und die Stille jeder Bar und Stadtgeräuschkulisse vor und können das Jagen und Sammeln, das Wühlen in der Erde und das Herstellen von Dingen einfach nicht lassen. Der urzeitlich-archaische Genpool ist in manchen Menschen wohl hartnäckiger als in anderen und verweigert sich jeder fortschrittsgerechten Mutation und Aberziehungsmaßnahme. Er lacht sich über Darwin ins Fäustchen und zwingt uns im voll digitalisierten Onlineshopping-Zeitalter im herbstlichen Wald in Pilzjagdfieber auszubrechen, Stöcke aufzuheben, Beeren zu pflücken und Moos, Zapfen und Blätter in unsere Taschen zu stopfen. So ist das nämlich. Ich kann nichts dafür, die Gene sind schuld.




Dann wird sie nach Hause getragen, die Beute aus dem Wald. Und dann liegen da auch noch all die angefangenen und nie vollgeschriebenen Schulhefte des Kindes aus vier Klassenjahren. Hebt man sowas auf? Die ersten Schreibübungen schon, aber der Rest? Und was ist mit all den unbeschriebenen Seiten? Einfach ins Altpapier? Das gibt doch noch prima Notizzettel. Und damit die nicht überall rumfliegen und dann auch nie da sind, wo man sie sucht und braucht, benötigt man auch noch einen Halter für die Notizzettel. Ah... genau... da kommen jetzt die Äste ins Spiel.



Man benötigt:

° einen schönen Ast (Treibholz wäre toll, dann spart man sich das Entrinden und Schleifen)
° unbeschriebene Heftseiten aus alten Schulheften
° 2 Stück Buchringe (Bastelladen), 2 Schrauben
° Schleifpapier 60er und 100er Körnung
° Schnitzmesser, Cutter, Lineal, Locher, Bohrmaschine mit 4mm-Bohrer, zwei Schrauben, Schraubendreher

So hab ich´s gemacht:

Die Äste mit einer Säge oder durch Brechen auf die richtige Länge bringen, dann die Rinde mit einem Messer abschälen. Den Ast mit Schleifpapier glätten. Ausprobieren, wie er am besten aufliegt. Im Bereich des späteren Notizzettelblocks sollte er etwas vorgewölbt sein, da sonst nach dem Festschrauben am Untergrund die Ringe schräg klemmen. Den Ast an zwei aufliegenden Stellen mit der Bohrmaschine durchbohren (4mm) und die Bohrlöcher ansenken.
Die unbenutzten Seiten aus den Heften herausreissen und mit einem Papierschneider (oder Lineal und Cutter) auf das gewünschte Maß bringen. Bei mir ist das etwas weniger als DIN A6. Alle Zettel möglichst gleichmäßig lochen.
Die Buchringe durch die Notizzettellochungen führen und auf den Ast auffädeln. Den Ast mit zwei Schrauben am Untergrund festschrauben. Darauf achten, dass die Ringe nicht festklemmen. Wenn der Ast an der Wand montiert werden soll, mit der Bohrmaschine Löcher vorbohren und Dübel benutzen. Beim Festschrauben auf Holz entfällt das.
Wenn die Zettel aufgebraucht sind, einfach die Ringe öffnen und neue Notizzettel anbringen.
Sollte ich jetzt noch jemals einen Notizzettel suchen, dann... bin ich selber Schuld.




Mehr Upcycling-Projekte von mir findet ihr > hier.
Ihr braucht Ideen für Adventskalender? Dann schaut doch mal > dort.
Meine Astnotizen wandern heute auch noch zum Creadienstag.
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Sonntag, 16. November 2014

Füssen . Stadt am Schlund

Wenn ich euch auf eine Reise in meine Heimat Bayern mitnehme, dann ist es in der Regel Sonntag, so wie heute. Habt ihr Lust wieder mitzukommen und euch ein bisschen umzuschauen im sperrigsten, eigentümlichsten und gleichzeitig liebenswertesten Bundesland der Republik, das heute noch darauf pocht, ein Freistaat zu sein? Ich gehe einfach los und wer Lust hat, kommt mit - so machen wir das. Und wohin nehme ich euch heute mit? Für den heutigen Ausflug habe ich mir die "Stadt am Schlund" ausgesucht, die wie so viele in Bayern bereits auf die Römerzeit zurückgeht und dort auch ihren namentlichen Ursprung hat. Der Name Füssen soll angeblich vom römischen Wort "fauces" abstammen, was übersetzt "Schlund" bedeutet - warum das so ist und durchaus ein passender Name, darauf komme ich später noch zurück. Erst nehme ich euch aber mit auf einen kleinen Stadtbummel in eine der schönsten und lebenswertesten Städte Bayerns - wenn es nach meinem persönlichen Geschmack geht...


Es gibt Städte und Städte. Manche sind mir auf den ersten Blick unsympathisch, da möchte ich auf dem Absatz kehrt machen und wieder gehen. Andere sind mir dagegen sofort sympathisch, weil sie eine ganz eigene, runde Energie haben, die ich nur schwer in Worte fassen kann. Alles scheint irgendwie passend und die Grundstimmung der ganzen Stadt ist positiv. Entspannte Menschen auf der Straße, wenig Autoverkehr, Märkte, Straßencafés, nette Läden. Das geht mir neben Füssen auch noch in Coburg, Seßlach, Cadolzburg, Bamberg, Sigmaringen und Regensburg so. Meistens sind diese Städte eher klein, haben eine Stadtmauer, innerhalb derer die Welt noch ein stückweit in Ordnung scheint. Oft haben sie eine Burg oder ein Kloster auf einer Erhebung, liegen an einem Fluss oder Bach in hügeligem Gelände und sie sind nicht direkt von hässlichen Industriegebieten eingekreist. Irgendwie stimmt dort das Mikroklima, die Atmosphäre, das Lebensgefühl... so wie in Füssen. 




Wir haben uns fest vorgenommen noch mal wiederzukommen - wenn es bitte nicht in Strömen regnet. Dem Umstand, dass es das bei unserem Besuch getan hat, ist es zu verdanken, dass wir uns ziemlich lange in der ehemligen Klosterkirche St. Mang aufgehalten haben.
Danach ging es in einer Regenpause weiter hinauf zum Hohen Schloß, erbaut 1291 und früher Sitz der Fürstbischöfe von Augsburg. Heute beherbergt es das Finanzamt, eine Filiale der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen und die Städtische Galerie. Die Fassade des Spätgotischen Baus wäre eigentlich sehr schlicht. wären da nicht die Malereien, die Erker, Simse und Gewande vortäuschen. Bayerische Illusionen...
Sehenswert ist die unendlich lange Holztreppe, die von der Mauer aus hinaufführt zum Gewürz- und Heilpflanzengarten auf dem Dach, von dem aus man in wunderbarer Geruchskulisse einen weiten Blick über die ganze Stadt und auf das ehemalige Kloster St. Mang genießen kann. Ein Plätzchen, das es mir ganz besonders angetan hatte.


Und was hat Füssen jetzt mit einem Schlund zu tun? Füssen liegt am Lechfall, einem früher natürlichen, heute betonierten Höhenabsatz im Lech, an dem sich der bis dahin ruhig im Kiesbett dahinfliessende Fluß mit großem Getöse in die Lechschlucht Richtung Füssen stürzt - in einen Felsen-Schlund. Eines der vielen bayerischen Geotope und vor allem im Frühjahr zur Schneeschmelze in seiner gletscherseegrünen Pracht ein absolutes Erlebnis. Leider war der Lech im Frühherbst durch den anhaltenden Dauerregen und die eingeschwemmte Erde von den Berghängen eher graugrünbraun als gletscherseegrün, aber wir kommen bestimmt im Frühjahr noch mal wieder und dann liefern wir die Zauberfarbe einfach nach.



Die Betonstufen des Lechfalls wirken ein bisschen wie Fremdkörper im Naturgeschehen, aber dafür produzieren sie bereits seit 1903 emissionsfreien Strom. Direkt darüber führt der König-Max-Steg Richtung Bad Faulenbach und der hält auf dem Hinweisschild eine ganz besondere Konkretisierung bereit - direkt und unverblümt sind sie ja immer, die Bayern...

Den Weg nach Bad Faulenbach im strömenden Regen hätten wir uns allerdings sparen können, denn das Bachtal roch leider so wie der Bach heisst. Schuld ist wohl der Schwefel und nicht der Ort, aber das macht es ebensowenig besser wie die positiven gesundheitlichen Wirkungen, die der stinkende Schlamm haben soll. Wir sind also schnurstracks wieder umgedreht und haben uns lieber noch etwas anderes angesehen, das direkt an den Lechfall angrenzt. Dazu erzähle ich euch aber dann ein anderes Mal mehr...

Füssen ist die zweitgrößte Stadt im Ostallgäu und liegt auf 808 Metern über dem Meeresspiegel direkt am Fluss Lech und an der Grenze zu Österreich. Für mich immer einen Ausflug wert.
Wer auf Menschenmassen und Sonnenkönige steht, der lässt Füssen rechts liegen und folgt den vielen Reisebussen, die an Füssen vorbei nach Hohenschwangau und Neuschwanstein fahren. Ohne mich allerdings, ich erspare mir den Auftrieb.

Mehr Ausflugstips fürs Allgäu findet ihr > hier.
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