Donnerstag, 23. Oktober 2014

In diesem Augenblick.

Verregneter Spätherbst. Auf der Straße ist es fast still, nur das gleichmäßige Prasseln des Regens ist als weißes Rauschen im Hintergrund zu hören. Der beissende Stadtgeruch wurde vom kühlen Herbstregen weggewaschen und das Licht ist gedämpft, als hätte man ihm dicke Brillengläser aufgesetzt. Manchmal mag ich den unfreundlichen Spätherbst, denn er besänftigt das drängelnde Gefühl etwas unternehmen zu müssen und liefert tausend Gründe, es sich drin bei Tee und einem wundervollen Film gemütlich zu machen. In diesem Augenblick ist alles perfekt: die Weichheit des Lichts, dieser feine Duft, die ruhige Atmosphäre der Stadt. Ich atme tief ein, und das Leben erscheint mir so einfach.




Ahnt ihr, bei welchem Film wir es uns hier gemütlich gemacht haben, während es draußen ungemütlich ist? Wer es als erster errät, bekommt per Post eine kleine Überraschung von mir.
Ich glaube, das ist nicht wirklich schwer. Aber pssst... Im obigen Text ist ein weiterer Hinweis versteckt. 

Edit

Es war nicht wirklich schwer zu erraten, was mein Lieblingsfilm ist, oder? Sabine hat es als erste erkannt und darf sich auf Post freuen.
"Mama, kennst du ein Lied, das "Amelie" oder so heisst, wie ein Film? Es gibt ein Mädchen in unserer Klasse, das kann dieses Lied so schön auf dem Klavier spielen, dass ich weinen musste.""Ich kann es dir vorspielen. Es ist die Titelmelodie meines Lieblingsfilmes. Magst du ihn sehen?"

Und so kam es dazu, dass wir an einem verregneten Samstag Vormittag mit Tee auf der Couch saßen und eintauchten in die fabelhafte Welt der Amélie Poulain, ins Café des 2 Moulins, den Gare du Nord und den Gemüseladen von Monsieur Collignon... und wie immer war es mir eine große Freude. Ein Film, der zu Herzen geht und Lächeln macht. Immer. Er hat jetzt einen neuen kleinen Fan mehr, nicht nur das Lied "Comptine d'Un Autre Été" von Yann Tiersen, das mein Sohn meinte... und jetzt unbedingt auf der Klarinette spielen lernen will. 

Das Originalzitat aus "Die fabelhafte Welt der Amélie" von oben lautet übrigens:

"In diesem Augenblick ist alles perfekt: die Weichheit des Lichts, dieser feine Duft, die ruhige Atmosphäre der Stadt. Sie atmet tief ein, und das Leben erscheint ihr so einfach, so klar, dass sie eine Anwandlung von Liebe überkommt und das Verlangen der gesamten Menschheit zu helfen." 

Teekanne: war ein Geschenk
Tasse und Krug: Gebrauchtwarenkaufhaus
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Dienstag, 21. Oktober 2014

Oktobertisch . Der winzige Zauberwald

Wahrscheinlich haben wir alle als Kinder Alice im Wunderland gelesen, vorsichtshalber hinter jeden Spiegel gesehen und jede Schrankrückwand untersucht, ob hinter den Kleidern nicht doch die Tür nach Narnia... denn wer hätte das schon sicher ausschließen können. Lilliput schien damals möglich und die Miniaturwelt unter den Wurzeln im Mattiswald sowieso. Seitdem ich als Kind Ronja Räubertochter gelesen habe, trete ich im bemoosten Wald vorsichtiger auf - man weiß ja nie. In ein Miniatur-Paralleluniversum habe ich mich als Kind besonders gut hineinträumen können: in den Zauberwald der Flechten und Moose. Auf dem Waldboden, auf Bäumen und Steinen bilden Flechten einen unglaublichen Mikrokosmos, eine Naturlandschaft im Kleinstformat. Wenn man ganz nah herangeht, dann kann man sich wirklich vorstellen, dass dort kleine Lebenwesen in einem winzigen Urwald aus trompetenformigen Bäumen auf schwefelgelben Teppichen leben und ihr Haupt nachts auf kuschelweiche Moospolster betten. Und wenn man sich schrumpfen könnte, dann könnte man... womöglich.......






Auch heute noch kann ich mich nicht sattsehen an den mit Gelbflechten bewachsenen Holunderzweigen und jeden Herbst wandern ein paar davon mit nach Hause. Sie stehen hier im Hof, im Treppenhaus, auf dem Küchenbuffet und momentan stehen ein paar aus dem letzten Jahr auch auf unserem Oktobertisch. Dort leisten ihnen ein paar Ahornblätter und zwei Holzschalen Gesellschaft - die eine aus Ahornholz vom Flohmarkt, die andere aus Olivenholz - letzte Woche auf dem Tag der Regionen in Winkelhaid von einem Drechsler aus dem Nürnberger Land erstanden. Hab ich etwa einen Holzschalenfetisch? Hab ich. Aus dieser Drechslerei stammen übrigens auch die schönen Holzkreisel, die hier immer mal wieder auf meinen Fotos auftauchen. Und die Kissen sind zurück.






Gelbflechte (Xanthoria parietina).
 
Viele verschiedene Monatsansichten versammelt auch im Oktober wieder Tabea zum 12tel Blick bei sich.
Meine anderen Monatstische findet ihr  > hier.
 
 


(Ein Klick auf den Monat führt euch zum entsprechenden Post) 

Monatstische, Jahresprojekt, 12tel-Blick, saisonaler Blumenschmuck, Flechten, Äste mit Flechten, Holunderzweige, natürlicher Tischschmuck im Herbst, Holzschale, Strickkissen, Olivenholzschale, Gelbflechte (Xanthoria-parietina)

Sonntag, 19. Oktober 2014

Stoamandl.

Aufeinandergeschichtete Steine dienen auf der ganzen Welt schon immer als Wegzeichen, um in so unübersichtlichem Gelände wie felsigen Bergregionen mit häufiger schlechter Witterung die Orientierung zu erleichtern. Eine norwegische Sage erzählt davon, dass Wanderer auf jedes vorhandene Steinmännchen einen weiteren Stein legen müssen, um auf ihrem Weg nicht von Trollen behelligt zu werden und wohlbehalten an ihrem Ziel anzukommen. In Asien haben die Steintürmchen eine ganz ähnliche Bedeutung, denn man errichtet sie als Wohnsitz für gute Geister, die Familie und den zurückzulegenden Weg beschützen sollen. An besonderen Orten errichte auch ich ein Stoamandl. Hinein lege in neben der Bitte um Schutz meiner Lieben und unserer Wege immer auch ein Stückchen meiner Seele und das Gefühl der Verbundenheit mit diesem Ort. 




Von all diesen Bedeutungen abgesehen, ist es eine sehr beruhigende und meditative Tätigkeit, den Schwerpunkt eines Steins zu finden und mehrere so aufeinanderzustapeln, dass sie alle zusammen ihr inneres Gleichgewicht bewahren. Ein bisschen ist es so, als würde sich diese Equilibristik auf das Innere des Menschen übertragen, der ein Steinmännchen errichtet. Durch die Notwendigkeit der ruhigen Hand und des Hineinspürens in Dinge wird automatisch die Welt drumherum ausgeschaltet und man konzentriert sich auf genau diesen einen Augenblick, auf genau diesen einen Punkt im Universum. Wenn man mit konzentrierter Ruhe den inneren Schwerpunkt gefunden hat, dann ist alles im Gleichgewicht und steht aufrecht auf sicherem Fundament. Eine schöne Parabel.








Komischerweise ist es nie laut an Orten, an denen Menschen Steinmännchen errichten. Es sind besondere Orte mit besonderer Atmosphäre, die ehrfürchtig machen vor der Schönheit, dem Gleichmut und der Ruhe der Natur und vielleicht deshalb auch Menschen anlocken, die diese Stille nicht nur aushalten, sondern auch genießen können. 

Ein bisschen war uns, als würden wir ein Portal durchschreiten, als sich der Wald, durch den wir auf ausgetretenen Wurzelpfaden gekommen waren, plötzlich öffnete und sich der Bach in seinem mäandernden Kiesbett in einer weiten Auenlandschaft zu  unseren Füssen ausbreitete. 




Zwei Stunden an der Starzlach zu Füßen des Grünten bei Sonthofen im Allgäu.
September Zweitausenvierzehn.
Der schöne Beginn einer Wanderung, auf die ich euch ein anderes Mal mitnehmen werde.

Stoamandl errichten... für mich eine meditative Sonntagsfreude.
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Samstag, 18. Oktober 2014

In heaven No. 135 - Kärwahimmel

Überall in Deutschland gibt es vier Jahreszeiten. Nur in Fürth, da gibt es fünf: Frühling, Sommer, Herbst, Kärwa und Winter. Die 900 Jahre alte Kirchweihtradition wird hier so gut gepflegt, dass man für zwei Wochen im Jahr mal eben die halbe Innenstadt samt Bundesstraße sperrt, um der Michaeliskirchweih auch den richtigen Rahmen zu geben. Hier wird ein solches Ereignis nicht verkehrstechnisch störungsfrei auf einen Platz am Stadtrand verlegt, sondern findet mitten zwischen den Häusern statt. Da wirbeln die Sitze vom Kettenkarrussel vor der Innenstadtkirche, eines der wildesten Fahrgeschäfte rotiert vor dem Museum und gebrannte Mandeln werden direkt vor dem Rathaus verkauft. Was Auswärtige an den Rand der Verzweiflung bringt, wird von den Färddern alljährlich mit stoischer Gelassenheit hingenommen - wenn Kärwa ist, dann ist eben Kärwa und da muss man nirgendwo anders hin. Mindestens einmal pro Jahr entkomme auch ich dem Getümmel nicht - wer Kinder hat, weiß was ich meine. Gut, sich dann auf das Wesentliche weiter oben zu konzentrieren und die Menschenmassen unten einfach auszublenden - schließlich ist auch der Kärwahimmel über Fürth ein ganz besonderer.








Irgendwo dort oben fliegt mein Kind in der Nacht... über fünfundfünfzigtausend Quadratmetern Fürther Kärwa.

Für mich ist "blauer Himmel" nur die Minivalversion gegenüber der beeindruckenden und faszinierenden Dramatik, zu der unser Himmel in Verbindung mit Sonne, Mond und Wolken fähig ist. Deshalb zeige ich hier jeden Samstag eines oder auch mehrere Himmelsbilder, die ich die Woche über eingefangen habe. 
Wer mitmachen möchte ist herzlich eingeladen, seinen Himmel und den entsprechenden Post hier zu verlinken.

Das Lichtobjekt auf dem ersten Foto steht zwar jedes Jahr mitten im Kirchweihgetümmel, gehört aber eigentlich nicht dazu, sondern steht in musealem Zusammenhang. Wer als erster errät, zu was diese Lichtstele gehört, der darf sich auf eine kleine Überraschung freuen. 
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Donnerstag, 16. Oktober 2014

Apfel, Nuss und Mandelkern.

Okay, das mit den Nüssen ist gelogen. Dafür steckte in unserem Kuchen extra viel Apfel und Mandelkern, ein gutes Stück Improvisation und die Erkenntnis, dass es beim Backen tatsächlich auch mal gutgehen kann, wenn ich mich wie immer nicht an das Rezept halte. Kürzlich lachte mich bei Melanie nämlich ein gedeckter Apfelkuchen mit Mandeln so sehr an, dass ich ihn noch am gleichen Tag nachbacken wollte. Unbedingt. Und dieses Mal wollte ich mich auch an das Rezept halten. Wirklich. 






Aber dann nahm ich doch Dinkelmehl statt Weizen, Rohrohrzucker statt weißen und dann fiel mir das Marzipan in die Hände und dann ein Ei mehr in den Teig und der Schluck Milch war auch etwas reichlich und dann war es halt so wie immer, dass am Schluß etwas anderes rauskam als auf dem Rezept. So bekam mein Kuchen keine Decke, sondern Streusel, weil der Teig zu weich war, um ihn so dünn ausgerollt wieder vom Backpapier abzukriegen. Die Eigelbmilch auf den Mandeln hab ich vergessen und in der Füllung landeten noch 200g Marzipan. Aber ansonsten hab ich mich an das Rezept gehalten. Fast. 



Mein Apfelkuchen sah deutlich rustikaler aus als bei Melanie, aber geschmeckt hat er trotz der mangelnden Rezepttreue - das haben mir die Nachbarn im Haus bestätigt, die alle mitgegessen haben. :-)
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Dienstag, 14. Oktober 2014

Innere Werte.

Es ist nur eine Kette. Sechshundert kleine böhmische Glasperlen, aufgefädelt auf einer transparenten Schnur. Nichts Besonderes. Ohne Bedeutung für die meisten. Für mich allerdings sind es sechshundert funkelnde Tautropfen eines nebligen Oktobermorgens im Jahr Zweitausendvierzehn, die ich einzeln auf einen Spinnfaden aufgereiht habe. Jede einzelne kleine Glasperle trägt diesen Morgen in sich. Den schwebenden Nebel, die feuchte Luft in meinen Lungen, die gedämpfte Stille am Fluss, das leise fallende Laub, die taunasse Wiese, die gedachten Gedanken und die unzähligen, tauglitzernden Spinnenetze, die von den Pflanzen getragen wurden wie wundervolle Geschmeide.


"Unsere fünf Sinne entsprechen Öffnungen, durch welche wir all die Wahrnehmungen empfangen, welche sich dann in Begriffe, in Ideen verwandeln."
(Arnaud Desjardins)




Vor einiger Zeit fragte mich jemand, warum ich fast nie Schmuck trage, obwohl ich sehr schönen Schmuck besitze. Schöne Geschmeide sehe ich mir gerne an, befühle schöne Steine, bewundere ihn mit den Augen. Ketten an Hals oder Arm und Ringe am Finger engen mich aber ein, behindern meine Hände beim Tun und deshalb trage ich Schmuck nur selten. Es gibt ein paar Ausnahmen. Unauffällige, schlichte, fast archaische Schmuckstücke, deren große Schönheit oft nur ich sehen kann. Weil ich weiß wer sie gemacht hat, was er dabei gefühlt hat, woher das Material dafür stammt und vor allem, weil ich die Gedanken und die Geschichte darin kenne. Weil sie Erinnerungen in sich tragen. Eine schöne Seele.

Deshalb darf auch diese schlichte Kette heute noch zu Anke reisen.

Böhmische Glasperlen: von > hier
Innere Werte, Glasperlenkette, Tautropfen, Spinnennetze