Samstag, 24. September 2016

In heaven No. 233 - Horizontanker

Menschen suchen ihre Urlaubsorte und Unterkünfte nach unterschiedlichen Kriterien aus. Hotelkategorie, Verpflegung, Pool, Strandnähe, Animationsprogramm oder die strategisch günstige Lage zu Ausflugszielen sind nur einige der möglichen Gesichtpunkte, die dabei eine Rolle spielen können. Mein Hauptkriterium für die Wahl einer Ferienunterkunft ist Naturnähe, Ruhe, ein Balkon oder Terrasse und von dort der freie Blick zum Horizont. Vor allem Letzteres ist für mich unverzichtbar. Hier in den Häuserschluchten der Stadt sehe ich keinen Horizont. Des schmale Stückchen Himmel zwischen unserer und der gegenüberliegenden Häuserzeile ist hier die einzige Möglichkeit, in Kontakt mit Himmel, Erde, Luft und Wetter zu kommen. Eine erbärmliche Möglichkeit, die so gut wie keine Chance bietet, sich zu verorten - man könnte zu fast jeder Tages- und Jahreszeit überall und nirgends sein. Kann man aber den ersten Blick am Morgen und den letzten am Abend über die Natur auf den Horizont betten, dann bietet dieser Blick einen Anker in der Welt. Da ist die Erde und der Wald, da der Himmel, dort die Sonne, hier der Mond... es ist morgens, mittags, abends, nachts, Frühling, Sommer, Herbst oder Winter... die Luft ist kalt, feucht, trocken, mild, der Himmel klar, wolkenverhangen, brennend. Welt da, ich hier. Alles ist gut. Tief atmen. Ein. Aus.











Täglicher Abendblick vom Urlaubsbalkon . 11 Tage . Arnbruck im Bayerischen Wald . Herbst 2015

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Für mich ist "blauer Himmel" nur die Minimalversion gegenüber der beeindruckenden und faszinierenden Dramatik, zu der unser Himmel in Verbindung mit Sonne, Mond und Wolken fähig ist. Deshalb zeige ich hier jeden Samstag eines oder auch mehrere Himmelsbilder, die ich die Woche über eingefangen habe. 

Wer mitmachen möchte ist herzlich eingeladen, seinen Himmel und den entsprechenden Post hier zu verlinken.
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Mittwoch, 21. September 2016

Die Hüter.

Heute schreiben wir den internationalen Tag des Friedens. Ein Tag des Waffenstillstands und der Gewaltlosigkeit soll dieser Tag sein - so die Intension der Vereinten Nationen, die diesen Tag im Jahr 1981 eingeführt haben. Schaut man sich den Zustand der Welt und die Mitgliedsstaaten der UN heute an, so klingt das ein bisschen lächerlich, ja fast höhnisch. Die wichtigste Aufgabe der UN ist gemäß ihrer Charta die Sicherung des Weltfriedens, die Einhaltung des Völkerrechtes und der Menschenrechte. Wie ernst das gemeint ist und wie weitreichend die Kompetenz der Vereinten Nationen, sehen wir momentan anhand von Mitgliedsstaaten wie China, Nordkorea, Ägypten, Iran, Irak, Syrien, Afghanistan, Polen, Saudi Arabien, Katar und Russland. Menschenrechtshüter? Wer solche Hüter hat, der braucht keine Schlächter.

Was die letzten Gladiolen des Sommers auf meinem Schrank mit dem Tag des Friedens zu tun haben?
Die Farbe weiß symolisiert menschlichen Anstand, Frieden, Reinheit und Vollkommenheit. Deshalb steht die weiße Taube sowohl für den Frieden als auch für den heiligen Geist, deshalb wurde ursprünglich in der jungfräulichen Farbe Weiß geheiratet und deshalb schwenkt man die symbolische weiße Fahne, um seine friedliche Absicht, oder die Aufgabe in einem Kampf anzuzeigen.

Ein bisschen blumiger Frieden also im häuslichen Kokon, abseits leerer weltpolitischer Phrasen.

Vasen, Holzwaren: Gebrauchtwarenhof
Gladiolen: vom Blumenfeld
Schrank: aus einer alten Zahnarztpraxis

verlinkt mit:   
Friday-Flowerday bei Helga
Weltfrieden, UN, vereinte Nationen, internationaler Tag des Friedens, Weltpolitik, Menschenrechte, Völkerrecht, Gedenktage, Gladiolen, Rauchglasvasen

Montag, 19. September 2016

Zweierlei.





"Zweierlei eignet sich als Zuflucht vor den Widrigkeiten des Lebens: Musik und Katzen."

(Albert Schweitzer, 1857 - 1965) 

Katzen, Fellmädchen, Katzenvieh, Tiger, Haustiger, Katzenaugen, Schnurrbart

Samstag, 17. September 2016

In heaven No. 132 - Erntemond

In früheren Zeiten hatte jeder Vollmond des Jahres einen eigenen Namen. Der Vollmond im März hieß "Lenzmond", im Mai "Wonnemond", im Juli war es der "Heumond" und der erste Vollmond im Herbst, der Tagundnachtgleiche am nächsten liegt, wurde "Erntemond" genannt. Traditionell begleitet er die Hochzeit des Erntens im Garten und in der Landwirtschaft und geht zu dieser Jahreszeit fast gleichzeitig mit der untergehenden Sonne auf. Das ermöglichte es den Bauern früher, in seinem Licht auch nachts die Ernte noch einzubringen, um sie trocken und sicher für den Winter einlagern zu könnern. Aber auch im übertragenen Sinn gilt der Erntemond als Symol für die Erntezeit - was du das Jahr über gesät hast, wirst du nun in den nächsten Wochen ernten. Wohl dem, der Gutes gesät hat und somit Gutes ernten wird...

So gern hätte ich euch an dieser Stelle deshalb den Erntemond gezeigt. Der war aberden ganzen Abend so unglaublich unwillig und versteckte sich komplett hienter schweren Wolken, dass stattdessen der Wonnemond im Salzburgerland seinen Platz einnimmt. Nicht weniger schön.

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Für mich ist "blauer Himmel" nur die Minimalversion gegenüber der beeindruckenden und faszinierenden Dramatik, zu der unser Himmel in Verbindung mit Sonne, Mond und Wolken fähig ist. Deshalb zeige ich hier jeden Samstag eines oder auch mehrere Himmelsbilder, die ich die Woche über eingefangen habe. 

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Sonntag, 11. September 2016

Von Wanderlust, rauchenden Röhren, Freiheit und schwindelerregenden Ausblicken.

Die Wanderlust hat sich relativ spät in mir geregt. Obwohl ich die Natur schon immer sehr geliebt habe, fand ich es als Kind und motziger Teenager doch reichlich anstrengend und ungeheuer spießig, dass wir in jedem Sommerurlaub die Berge in Bayern, Österreich und Südtirol zu Fuß hochgehen und uns aus dem Rucksack ernähren mussten, während andere einfach Gondel oder Sessellift genommen haben und in Bergrestaurants eingekehrt oder gleich an die Costa Brava oder nach Italien ans Meer gefahren sind. Auch als junge Erwachsene erschien es mir noch immer sehr viel einfacher, für Naturerlebnisse mit dem Auto durch die Natur zu fahren, mich von einer Gondel auf den Berg bringen zu lassen oder irgendwohin ans Meer zu fliegen. Was hat eigentlich die Kehrtwende bewirkt? Meine ganze Weltanschauung und Lebenseinstellung hat sich in den letzten 20 Jahren sehr gewandelt. Ich habe mich gesucht und gefunden, bin vom Reagieren zum Agieren übergegangen und weiß inzwischen, was mir guttut und was nicht, was ich brauche und auf was ich sehr gut verzichten kann in meinem Leben. Ich schätze, ich bin enfach erwachsen geworden.





Start der Tour an diesem Tag im Bayerischen Wald war der Wanderparkplatz Eck zwischen Arnbruck und Arrach. Nach Überqueren der Straße und vorbei am dortigen Wirtshaus quert man den Parkplatz der Skischule und taucht links davon in den Wald ein, immer dem Wegweise des Goldsteigs folgend.
Über einen schattigen Waldweg geht es erst sanft ansteigend, dann bald ziemlich steil bergauf. Wir folgen immer der Goldsteig-Markierung Richtung Großer Riedelstein, vorbei an einer kleinen Kapelle und durch schönen Buchenwald.
Unsere erstes Etappenziel erreichen wir auf dem Gipfel des Großen Riedelsteins bei 1132m mit dem steinerenen Turm - einem Denkmal zu Ehren des Dichters Maximilian Schmidt, genannt "Der Waldschmidt", der in seinen Erzählungen, Gedichten und Theaterstücken das Leben im Bayerischen Wald des 19. Jahrhunderts wiederspiegelte.
Auf den Felsen am Fuß des Denkmals lassen wir uns nieder, genießen die grandiose Aussicht und legen erst mal eine Vesperpause ein - aus dem Rucksack natürlich, was mir heute völlig logisch und selbstverständlich erscheint. So können Dinge sich ändern.



Wir verabschieden uns vom Waldschmidt und dem Großen Riedelstein und wandern weiter auf dem Goldsteig Richtung Rauchröhren und Steinbühler Gesenke. Steil geht es bergauf, manchmal auch wieder bergab und die Landschaft wechselt dabei stetig. Der Buchenwald geht in Bergmischwald über, es säumen jetzt mehr und mehr Fichten und Tannen unseren Weg, die herumliegenden Felsbrocken wirken wie hingekegelt. Dass uns auf diesem Weg Wanderer wieder entgegenkommen, die uns vorher am Riedelstein überholt hatten, macht mich stutzig. Sie sagen, der Weg ab den Rauchröhren wäre ihnen doch zu beschwerlich. Ich werde etwas nervös, bin ich doch nicht wirklich die Sportlichste.








Als die Rauchröhren vor auftauchen, ist die Sorge aber mal kurz vergessen, denn den knackigen Kletterern während der Rast dabei zuzusehen, wie sie die steilen Felswände erklimmen, lenkt doch ungemein ab. Der hohe Felstum der Rauchröhren ist in der Mitte senkrecht gespalten, was dazu führt, dass er nicht nur bei Kletterern sehr beliebt ist, sondern auch dass aufsteigender Nebel und Wolken durch den Sog stark beschleunigt werden und wie Rauch aus einem Kamin darin aufsteigen - was den Namen dieser Felsformation erklärt.





Ab den Rauchröhren hat man die Wahl den leichten oder den schweren Weg weiterzugehen. Ein kurzer Blick auf die leichte Variante macht mir sofort klar, dass ich mir die schwere erst gar nicht anschauen muss, denn schon die leichte beginnt mit einer Kraxeltour über große Felsblöcke, höhe Stufen und durch enge Spalten. Genug Herausforderung und Abenteuer für mich und ausreichend spannend für den pubertären Nachwuchs, für den Wandern eigentlich öde und nur auszuhalten ist, wenn es mit etwas Aufregung verbunden ist. Woher kommt mir das nur bekannt vor... ;-)
Aber auch für mich ist dieser Wegabschnitt eindeutig der schönste der Tour, denn er ist spannend und abwechslungsreich, wenn auch steil und anstrengend.





Der Weg führt uns weiter durch abwechslungsreichen Wald Richtung Steinbühler Gesenke. Oberhalb dieses Luchs-Schutzgebietes erklimmen wir den Felskamm, auf dem wir auf einmal in eine komplett andere Vegeationszone eintauchen. Heraus aus dem knorrigen, feuchten Mischwald voller Heidelbeeren, Moos und Wurzeln geht es auf das heiße Felsplateau hinaus, wo uns abrupt eine sonnendurchglühte Heidelandschaft mit knorrigen Kiefern, Birken, hohem Gras und Heidekraut erwartet. Tausende zirpende Grillen untermalen den unglaublich weiten Blick über das Zellertal, den Lamer Winkel und die umliegenden Berge und Hügel. Wir nutzen das wieder für eine Rast, setzen uns auf die Felsen, sehen den Paraglidern zu und genießen den Ausblick. Frei fühlt man sich hier.










Jetzt haben wir das Tagesziel in Sichtweite vor uns: die Kötztinger Hütte auf dem Mittagstein, wo ein kaltes Radler auf uns warten wird... wenn wir denn den letzten Abstieg und vor allem Aufstieg hinter uns gebracht haben. Es zieht sich jetzt etwas, denn langsam merke ich meine suboptimale Kondition. Aber letztlich schaffen wir auch das und ein grandioses Vesper auf der schönen Terrasse der Hütte sowie ein mindestens ebenso grandioser Ausblick auf die zurückgelegte Wegstrecke über den Felsenkamm des Steinbühler Gesenkes und zum Riedelstein sind der Lohn für die Anstrengung.




Toll wäre es an diesem Punkt gewesen, wir hätten nicht noch zum Parkplatz nach Hudlach absteigen müssen, aber das blieb meinen Füßen nicht erspart. Der steilste Fahrweg, den ich jemals bergab gegangen bin - wie hier jemand mit einem Fahrzeug nach oben fahren kann, ist mir ein absolutes Rätsel. Muss ja aber gehen, die Hütte braucht Nachschub - und wir sind letztlich auch heil unten angekommen. Die letzten Kilometer durch Hudlach bis zum Wanderparkplatz zogen sich dann noch etwas, bis das Auto endlich in Sicht kam. Eines von zwei Autos übrigens, die wir dankenswerterweise zur Verfügung hatten, so dass wir erst ein Auto am Zielpunkt in Hudlach abstellen konnten, um dann mit dem anderen an den Startpunkt zurückzufahren und dort loszuwandern.
Und ich kann euch verraten, dass ich unglaublich froh war, dass ich mich nicht habe überreden lassen, den Weg zur Kötztinger Hütte auch wieder zurückzugehen bis nach Eck. Denn auch wenn die Tour wirklich schön ist, ahnte ich schon vorher anhand der Höhenlinie, dass ich beim Rückweg aufgrund von Konditionsschwächen dann auf halber Strecke hätte im Wald übernachten müssen... Es ist nicht das Schlechteste, sich nicht zu Dingen überreden zu lassen, von denen man nicht überzeugt ist - zumindest kann es davor schützen, die Nacht im Wald verbringen zu müssen, nur weil die Schwester fitter ist als man selbst und man nicht als Memme dastehen will. ;-)

Eine schöne Wanderung war es, für mich die schönste in diesem Urlaub im Bayerischen Wald. Etwas anspruchsvoll wegen der knackigen Steigungen und Kletterpartien, aber abwechslungsreich, mit wunderbaren Rastplätzen und Ausblicken und einer schönen Hütteneinkehr (fst) am Ende.

Die Wundervollen Einblicke, Ausblicke, Erlebnisse, Entdeckungen und Erfahrungen, die man auf einer Wanderung macht an all den Orten, die weder mit Auto noch Gondel erreichbar sind, die möchte ich nie mehr missen. Ebensowenig den Endorphinrausch, den man erlebt, wenn man einen Berg auf seinen eigenen Füßen erklommen hat und erschöpft von oben all die Höhenmeter nach unten ins Tal blickt und weit, so weit über die Welt... auf den möchte ich auch nie mehr verzichten.

In den letzten Jahren habe ich viele Wandertouren gemacht. Meine Füße haben mich durch das Schweizer Wallis getragen, durch die Österreichischen Alpen, die Fränkische Schweiz, durchs Allgäu, Altmühltal und durch den Bayerischen Wald. Gerade der hat es mir sehr angetan, ist es doch auch die Bergregion, die für mich am schnellsten zu erreichen und die am wenigsten überlaufen ist. Viele finden Urlaub in der Heimat ja noch uncool, zu meinem Glück.

Ich wandere nie mit sportlichen Ambitionen, nie um ein bestimmtes Ziel, eine Strecke oder eine Anzahl an Höhenmetern, womöglich noch in einer bestimmten Zeit, zu schaffen. Ich wandere langsam und aus der Lust an der Natur, am Erleben und Schauen und ich muss mir nichts beweisen... außer, dass die Welt schön ist, wenn man genau hinsieht und möglichst wenige Menschen darin sind.

So viele traumhafte Ecken in unserem Land stehen noch auf meiner Wunschliste. Dunkle Wälder, Wasserfälle, Anhöhen, Berggipfel, Bachtäler und Schluchten. Und ich hoffe sehr, dass mir die Wanderlust noch sehr lange erhalten bleibt, nachdem ich so lange auf sie warten musste. :-)

Tour: 
Wanderparkplatz Eck zwischen Arnbruck und Arrach - Riedelstein - Rauchröhren - Steinbühler Gesenke - Kötztinger Hütte - Wanderparkplatz Hudlach

Unsere reine Gehzeit:
5 Stunden (Sportliche schaffen das sicher in 2 - 2,5 Stunden. Aber was hat man dann davon...)
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