Mittwoch, 31. August 2016

Restekiste. Was vom August so übrig blieb.

Der Sommer fliegt nur so dahin... an mir vorbei, während die Berge auf meinem Schreibtisch kaum kleiner werden. Ein seltsames Jahr ist das. Ein bisschen ist es so, als würde ich einem Film zusehen, in dem ich selbst mitspiele, den ich aber aus dem Zuschauerraum heraus betrachte. Vielleicht ist maches im Leben auch nur auszuhalten, wenn man eine gewisse Distanz dazu aufbaut. Abschied, die Auflösung des Kindheitszuhauses, die Abwicklung von zwei Leben, eine Gerichtsverhandlung, die die Grenzen des Aushaltbaren auslotet. Unfassbare Bürokratie, unendliche Warteschleifen, Berge von Papier, Jahrzehnte, die in kleine Schnipsel zerkleinert Tonne um Tonne füllen. So viele fremde Menschen, die ich durch mein Leben führe. Führen muss. Zeitdiebe, Energieräuber, Nichtlieblingsmenschen. Das alles fühlt sich noch dazu ein bisschen an wie Spurenbeseitigung. Was bleibt? Viel, tief drinnen. Dinge? Sehr wenig. Vielleicht ist das auch gut so.









Wenig spielte sich diesen Monat außerhalb des Notwendigen ab. Nur ein paar Momente, eingefangen und auf einen kleinen Chip gebannt.

... die kostenlose Erleuchtung, die ich so vielen grade wünsche, mich eingeschlossen...
... das Umgeben mit Lieblingsfarben und...
... wunderbarer Stuck, in dessen Gips eingebrannt: so viele Erinnerungen...
... ein Höhlenbär aus Zeiten, in denen das Leben körperlich anstrengend, aber mental noch schlicht war...
... unfreiwillige Komik auf einer Toilettentür und...
... Die besten Schokoladen-Bananen-Heidelbeerpfannkuchen der Welt. Meine.
... bühnenreife Höhlenkulisse in der Fränkischen ohne Gruseligkeit...
... ein letzter Sonnenstrahl auf dem Wahrzeichen des ehemaligen Quelle-Imperiums...
... der zweite Teil des Glibber-Kabinetts von Dr. Caligari.
... noch mehr Erinnerungs-Stuck und...
... das großartige "Erbsenrisotto mit Merguez" nach dem Rezept von Micha, alias grain de sel.

Schönschnipsel im August.

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(Fast) Jeden Monat zeige ich in dieser Rubrik Fotos, die es (noch) nicht in einen eigenen Post geschafft haben, die es aber trotzdem wert sind, einen kleinen Auftritt zu bekommen. 

Die Restekisten der vergangenen Monate findet ihr > hier.
Restekiste, Erbsenrisotto, Sophienhöhle, Burg Rabenstein, Fränkische Schweiz, Tropfsteinhöhle, Katze, Fellmädchen, Gletscherseegrün, Halbedelstein-Armbänder, Heidelbeer-Pfannkuchen, Quelle-Turm, Höhlenbär, Erleuchtung

Sonntag, 28. August 2016

Kleiner Arbersee.

Schon lange wollte ich euch die Bilder der schönen Ausflüge zeigen, die wir letztes Jahr zu dieser Zeit Ende August gemacht haben. Für all jene, die ihre Sommerferien in Bayern verbringen, oder aber zumindest Ausflüge dorthin planen. Aber es war mir viele Monate einfach nicht möglich, die Bilder der schönen Ausflüge anzuschauen und zu bearbeiten, die wir im letzten Spätsommer im Bayerischen Wald gemacht haben, war es doch der letzte gemeinsame Urlaub mit meiner Mama, nur sechs Wochen vor ihrem Unfall. Schön und sehr schmerzhaft zugleich, die Bilder wieder anzuschauen und den Tag am Kleinen Arbersee nochmal in Kopf und Herz zu erleben. Ein sehr heißer Spätsommertag war es, mit gleissendem Sonnenschein und klarem Himmel. Wir haben die Rucksäcke gepackt und dann doch die Bimmelbahn von Lohberg aus genommen, hinauf zum See...






Der Kleine Arbersee ist - wie auch der Große Arbersee - ein Karsee, also ein Überbleibsel der letzten Eiszeit und liegt 919 Meter über dem Meeresspiegel. Gespeist wird er an seinem südlichen Ende vom Seebach und vielen kleinen weiteren Bächen, die ihm von den umliegenden Bergen durch den Wald zufliessen und er selbst gibt seinen Überschuss an den Weißen Regen am Nordende wieder ab. Ursprünglich mal sehr viel kleiner, erreichte er seine heutige Größe und Tiefe von bis zu 12 Metern erst Ende des 19. Jahrhunderts, als man ihn zum Zwecke der Holzdrift aufstaute. Dabei lösten sich große Moordecken vom Seegrund und trieben auf der Seeoberfläche, wo sie sich durch den Bewuchs immer weiter verfilzten und heute drei große schwimmende Inseln, die sogenannten "Schwingrasen" bilden, die bis zu dreieinhalb Meter dick sind.






Das Gebiet rund um den See ist als Naturschutzgebiet ausgewiesen und obwohl im See selbst aufgrund des extrem niedrigen pH-Wertess kaum Fische leben, ist das Leben ringsherum dafür um so reicher. Auf den Schwingrasen wachsen Wollgras und Sonnentau, Rosmarinheide und Moosbeere, seltene Orchideen und Bärlapp. Rund um den See haben sich nicht nur Enten, sondern auch Biber, Fischotter und Auerhuhn angesiedelt und unzählige Libellenarten und Schmetterlinge umschwirren jeden Spaziergänger.





Der Spazierweg einmal ringsherum um den Kleinen Arbersee führt mal direkt am Seeufer entlang, mal durch den schattigen, verwunschenen Wald. Schön zu gehen ist es auf dem schwingenden Waldboden in Seenähe und der dunkle, verwunschene Wald selbst mit seinen alten Bäumen, kleinen Bächen, knorrigen Wurzeln, Farn, bemoosten Steinen und dem Heidelbeerdickicht würde perfekt in jedes Märchen mit Zwergen, Feen und Zauberern passen. 






Der Kleine Arbersee befindet sich in der Gemeinde Lohberg. Er ist zu Fuß vom Wanderparkplatz Brennes aus in ca. zweieinhalb Stunden zu erreichen. Wer nicht so gut zu Fuß ist, kann auch die Bimmelbahn nehmen, die regelmäßig vom Tierpark Lohberg aus hinauf und wieder hinunter fährt. An der Haltestelle der Bahn befindet sich auch ein kleines Gasthaus mit Biergarten am Rundweg um den Kleinen Arbersee. Am schönsten ist es am frühen Morgen und Abend hier oben, wenn man den See ganz für sich alleine hat.




Mehr Ausflugsziele und Wanderungen im Bayerischen Wald findet ihr > hier.
Ausflugsvorschläge und Wanderungen in ganz Bayern und teilweise auch darüber hinaus  > dort.
Bayerischer Wald,  Wandern im Bayerischen Wald, Bayern, Natur, Arber, Kleiner Arbersee, Schwingrasen, Karsee, Ausflüge im Bayersichen Wald, Ausflugsziele Bayerischer Wald

Samstag, 27. August 2016

In heaven No.229 - Vollverschleierung

Ob man nun eine Zeitung aufschlägt oder eine Nachrichtenseite aufruft, das Thema Schleier ist allgegenwärtig. "Burkaverbot" hat gute Chancen, in Deutschland zum Unwort des Jahres gekürt zu werden. Zum Unwort, weil es unanständig ist, welche Präsenz diesem Thema in Deutschland angesichts der Probleme in der Welt eingeräumt wird und vor allem welche Wichtigkeit ausgerechnet jene Männer unter dem Deckmantel der Verteidigung von Frauenrechten diesem Thema beimessen, die ohne mit der Wimper zu zucken den Speichel von totalitären muslimischen Herrschern zutiefst frauenverachtender Länder lecken, um sich Flüchtlinge vom Hals zu halten und um Milliarden mit Waffengeschäften zu verdienen. Wenn es um wirtschaftliche Interessen geht, sind unseren Politikern Frauenrechte keinen Pfifferling wert, aber wenn es darum geht, die Verschleierung in Deutschland zu verbieten, um rechtsaußen nach Wählerstimmern zu fischen, da führen sie auf einmal vorgeblich ritterlich die Sorge um die Unterdrückung der muslimischen Frauen und die Verletzung der Menschenrechte ins Feld, die ihnen beide bei ihren Geschäften mit den wahabistischen Milliarden sonstwo vorbeigehen.


Ja, auch mir ist tatsächlich unkommod, wenn ich in meinem Heimatland einer Frau in Burka oder Niqab gegenüberstehe. Aus zweierlei Gründen. Einmal frage ich mich immer, ob sie sich wirklich, wirklich freiwillig so komplett verhüllt, auch bei 38°C, oder ob sie das aus Zwang und Angst vor männlichen Repressalien tut. Und dann empfinde ich Mitleid und werde schon mal prophylaktisch wütend, weil mir schon allein die Möglichkeit gegen den Strich geht und auch, weil sie sich womöglich nicht dagegen wehren kann oder, was für mich fast noch schlimmer ist: wehren will.

Aber das ist nicht der einzige Grund. Denn andererseits habe ich das persönliche Bedürfnis, einem Menschen ins Gesicht zu sehen, weil ich ihm auch meines zeige. Für mich hat es etwas mit Respekt und Ehrlichkeit zu tun, dem anderen "das wahre Gesicht" zu zeigen. Das ist so, weil ich in Deutschland aufgewachsen bin, in einer freiheitlichen, westlichen Demokratie, in der Frauen (zumindest theoretisch) die gleichen Rechte haben wie Männer und in der Religion eine Privatangelegenheit ist. Weil mir beigebracht wurde, dass man anderen Menschen offen ins Gesicht sieht, wenn man sich nähert, dass man ihnen die Hand reicht, und dass genau dies ein Ausdruck von Respekt ist. Für mich ist das selbstverständlich, normal und alles was davon abweicht, verunsichert.

Ich habe keinerlei Problem damit, welcher Religionsgemeinschaft ein Mensch angehört, ob er hell- oder dunkelhäutig ist, groß, klein, dick, dünn, rot- oder blauhaarig, ob er Hut, Kopftuch, Mütze, Hidschab, Käppi oder Tschador trägt. Mein Bewertungsmaßstab war immer und ausschließlich, was für ein Mensch jemand ist und wie er andere Menschen behandelt. Dachte ich zumindest. Und nun merke ich, dass sich am Thema Burka und Niqab mein unbedingtes Ja zur freien Entfaltung der Persönlichkeit und Toleranz Andersdenkenden gegenüber an meiner ganz persönlichen Vorstellung davon, wie man sich in unserer Gesellschaft bewegt und anderen Menschen höflich begegnet, ganz gewaltig reibt. Burka und Niqab rücken in meinem unguten Bauchgefühl erschreckend nahe an Fakeprofile in sozialen Netzwerken ohne Klarnamen, an anonyme Kommentare, an Gegenüber, die auch in Innenräumen die verspiegelten Sonnenbrillen nicht abnehmen. Es macht mich sauer, wenn sich jemand versteckt, mir sein "wahres" Gesicht nicht zeigen und mir nicht in die Augen sehen will - ganz unabhängig davon, ob Mann oder Frau.

Toleranz bis in die letzte Konsequenz ist für mich manchmal doch gar nicht so selbstverständlich, wie ich immer dachte...

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Für mich ist "blauer Himmel" nur die Minimalversion gegenüber der beeindruckenden und faszinierenden Dramatik, zu der unser Himmel in Verbindung mit Sonne, Mond und Wolken fähig ist. Deshalb zeige ich hier jeden Samstag eines oder auch mehrere Himmelsbilder, die ich die Woche über eingefangen habe.
Wer mitmachen möchte ist herzlich eingeladen, seinen Himmel und den entsprechenden Post hier zu verlinken. 

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Samstag, 20. August 2016

In heaven No. 228 - Insel Poel

Kürzlich erzählte ich davon, wie hart ich mir das Om im Alltag oft erarbeiten muss. Im Urlaub ist das alles etwas leichter. Wenn nach Tagen der ausreichenden Distanz vom Schreibtisch die Anspannung endlich abfällt und bevor sie dann kurz vor Ende wiederkommt, da fliegt das Om bisweilen auch von ganz alleine zu mir, ohne dass es auch nur ansatzweise einer Anstrengung bedüfte. Dann reicht die menschliche Stille, eine Bank und ein Blick über Berge ins Tal, auf eine Wiese, in einen Wald, auf einen Bach oder, wie an diesem Tag - auf das Meer. Und auf einmal ist alles ganz leicht.









Insel Poel . Nordwestmecklenburg . Februar 2016 . Viel zu lange her
 
Für mich ist "blauer Himmel" nur die Minimalversion gegenüber der beeindruckenden und faszinierenden Dramatik, zu der unser Himmel in Verbindung mit Sonne, Mond und Wolken fähig ist. Deshalb zeige ich hier jeden Samstag eines oder auch mehrere Himmelsbilder, die ich die Woche über (oder auch schon etwas zurückliegend) eingefangen habe.
Wer mitmachen möchte ist herzlich eingeladen, seinen Himmel und den entsprechenden Post hier zu verlinken. 
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