Montag, 31. Oktober 2016

Gruselfestung.

Traditionelle Feste mag ich gern, weil sie tief in der Kultur eines Landes oder einer Bevölkerungsgruppe verankert sind und eine wirkliche Bedeutung haben. Künstlich geschaffenen Festen wie Halloween dagegen, die primär dem Kommerz dienen, kann ich absolut nichts abgewinnen. Generell ist der Spätherbst aber perfekt zum Gruseln geeignet, denn das Licht wird immer weniger und das Wetter tut mit dramatischen Wolken, Regen und Nebel sein Übriges dazu, um die leergefegte Stadt, Landschaften und Gebäude unheimlich erscheinen zu lassen. Wenn die Zeit dann auch noch mit dem "Schwarzen Mond" zusammentrifft, der die westliche Hemisphäre heute Nacht in Finsternis hüllt, dann ist die Gruselstimmung perfekt. Perfekt, um euch bei Gewitter an einen Ort mitzunehmen, der für mich unter den gruseligen historischen Gemäuern bisher die Spitzenposition einnimmt: auf die Festung Rothenberg.







Hoch über Schnaittach im Nürnberger Land zwischen Lauf und Hersbruck thront die Festungsruine Rothenberg auf dem gleichnahmigen Berg. Abweisend bis furchteinflössend wirken die hoch aufragenden, glatten Mauern, die schon sehr deutlich machen, dass diese Anlage kein verspieltes Schloss und auch keine aufwändig gestaltete Burganlage war, sondern eine trutzige Festung.


Die Ursprünge der Besiedelung dieser Bergkuppe reichen bis ca. 600 v. Chr. zurück, als die Kelten dort ein Oppidum, eine befestigte Siedlung errichteten. 
Ungefähr in den Jahren 1254 - 1300 wurde mit dem Burgstall "Alter Rothenberg" die erste hochmittelalterliche Adelsburg der "von Wildensteins von dem Rotenberge" erwähnt, die jedoch etwas nordwestlich der heutigen Festung lag. Diese wurde Anfang des 14. Jahrhunderts, wahrscheinlich aufgrund einer Fehde zwischen Graf Gebhard VII. von Hirschberg, dem Grafen von Öttingen und König Albrecht gegen den bayerischen Herzog durch Brand zerstört.
Zwischen 1300 und 1310 wurde dann an ihrer Stelle durch Dietrich von Wildenstein eine Gipfelburg errichtet, die der böhmischen König und spätere römisch-deutsche Kaiser Karl IV. zu einer Festung ausgebauen ließ, um Neuböhmen abzusichern. Die Burg gewann an Bedeutung und es entstand die kleine Stadt Rothenberg rund um die Festung, die jedoch nach Absetzung von Karls Sohn Wenzel und dem Verlust der Burg an die Wittelsbacher im ersten Markgrafenkrieg komplett zerstört und nie wieder aufgebaut wurde.





Pfalzgraf Otto wandelte die Burganlage im Jahr 1478 in eine Ganerbenburg mit zu Beginn 33, später dann 130 Ganerben um.  Kleine Adelsfamilien, die einzeln zwar nur wenig Grundbesitz und Macht besaßen, durch Erwerb von kleineren Grundbesitzanteilen und deren Zusammenschluss als Gemeinschaft so jedoch mächtig und wehrhaft waren. Selbst die Nürnberger legten sich nun nicht mehr gern mit der Festung an, sie galt als Wespennest.
Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Ganerbenburg durch Maximilian von Bayern besetzt und die Ganerben durch massiven politischen Druck gezwungen, die Burganlage für einen Spotpreis an Bayern zu verkaufen, das sie dann weiter verstärken und renovieren ließ. Immobilienspekulation hat in Deutschland Tradition, wie man sieht.
Im spanischen Erbfolgekrieg verkalkulierte man sich jedoch in seiner politischen Taktik und musste 1703 kapitulieren - was dazu führte, dass die Burganlage direkt anschließend auf Veranlassung Nürnbergs geschleift wurde.






1729 - 1741 wurde aus den Resten der alten Festungsanlage die heutige Festung Rothenberg errichtet, um dort bayerische Garnisonen zu stationieren. Im österreichischen Erbfolgekrieg 1740 - 1793 widerstand die Festung den Einnahmeversuchen durch die Habsburger erfolgreich. 
Nach Auflösung des Heiligen Römischen Reiches wurde Bayern wieder Königreich, Napoleon I. schlug Bayern einen Teil Frankens zu und der Rothenberg verlor seine wichtige strategische Stellung. Die Festung Rothenberg wurde deshalb zum Festungsgefängnis umgenutzt und oberirdisch zum Altersheim für Veteranen und Invaliden. Dafür war jedoch niemand bereit Geld zu investieren, ebensowenig für die durch Sickerwasser und Verrottung notwendigen Instandhaltung- und Sanierungsmaßnahmen an diesem riesigen Gemäuer, weshalb Ludwig I. 1838 die Auflassung der Festungsanlage durchsetzte.
Die Festung wurde ausgeschlachtet, alle Balken, Türen, Fenster, Ziegel und Dachstühle wurden abgetragen und die Festung 1841 dem Verfall preisgegeben. Die Bevölkerung nutzte in der Folgezeit die Gebäude als Steinbruch, das nackte Gelände um die Festungsanlage herum wurde aufgeforstet.



Seit 1894 wurde die Ruine vom Verschönerungsverein Schnaittach betreut und entwickelte sich bis zum ersten Weltkrieg zu einem touristischen Anziehungspunkt. Hitlers spätere Idee, die Ruine zu einer Ordensburg aufzubauen, wurde zum Glück aufgegeben, weil die Wasserversorgung nicht sichergestellt werden konnte.
Der Bau einer Skipiste unterhalb der Festung, einer Skisprungschanze und von Wanderwegen brachte nach dem 2. Weltkrieg den Tourismus zurück an den Rothenberg. Von 1999 - bis 2006 fanden mehrere Musikfestivals und Theateraufführungen auf der Festungsruine statt, mussten dann aber wegen des schlechten baulichen Zustandes eingestellt werden. 2008 wurde unter Regie der Bayerischen Burgen- und Schlösserverwaltung zusammen mit dem Heimatverein Schnaittach die dringend notwendige Sanierung des Festungsstockes abgeschlossen, so dass 2/3 der Kasematten wieder begehbar wurden. Und DAS ist wirklich nur etwas für starke Nerven...








Man meint dort unten die Gefangenen zu spüren. Den Krieg. Die Belagerung. Leid. Hunger. Siechtum im Dunklen ohne Licht und Luft hinter meterdicken Mauern. Die Kälte, Stille und Finsternis ist beklemmend. Schatten an der Wand werden zu Geistererscheinungen, wenn man fast nichts sehen kann und nur seinen eigenen Atem hört. Elektrisches Licht gibt es dort unten nicht und die Kasematten sind stockdunkel. Die einzige Lichtquelle ist die Taschenlampe des Festungsführers und wenn man trödelt,  irgendwo zu lange stehen bleibt (zum Beispiel, weil man ausgiebig an der Kamera herumfummelt und unbedingt aus den Schießscharten fotografieren muss), steht man plötzlich alleine in völliger Dunkelheit und Stille, 30 Meter unter der Welt. Dann ist das Gruseln garantiert. Ich schwör.

Die Festungsanlage ist nur im Sommerhalbjahr mit Führungen begehbar. Im Winterhalbjahr gehören die Kasematten den Fledermäusern ganz alleine. Dieses Jahr kann die Festung noch bis zum Ende der Herbstferien am 07. November besucht werden, bei schönem Herbstwetter bis 14. November. Auf der Homepage kann man die aktuellen Öffnungszeiten einsehen.
Passend zu Halloween und zum Schwarzen Mond habe ich euch heute also in eine wahrlich gruselige Festungsruine mitgenommen. Obwohl ich, was das Gruseln angeht, wirklich schwer zu beeindrucken bin (schließlich bin ich mit dem Geisterjäger John Sinclair aufgewachsen und lasse kaum einen Gruselfilm aus), schaffen es die finsteren Kasematten der Festung Rothenberg immer wieder, mir echte Gänsehaut zu bereiten.

Mehr finstere Bilder der Außenanlagen gibt es > hier zu sehen.
Und im Winter, wenn die Festung geschlossen ist?

Im Winter sieht es dort oben am Rothenberg unterhalb der Festung > so aus. Kalt, aber nicht zum Fürchten. Wichtig: Rodel nicht vergessen.
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Samstag, 29. Oktober 2016

In heaven No. 237 - Finsterort

Mittelalterliche Burgen und Festungen wurden aus strategischen Gründen meistens auf den höchsten Erhebungen der Umgebung errichtet. Von dort aus hatte man den besten Überblick über das Land, konnte frühzeitig sehen wenn sich Feinde näherten und von erhöhter Position aus konnte man sie auch gut angreifen und die Burg verteidigen. Alle historischen Orte, alle älteren Gebäude haben eine ganz eigene Ausstrahlung. Mal wirken sie heiter, einladend, fröhlich, friedlich, aber oft auch abweisend, düster und furchteinflößend bis zur Gänsehaut. Allein an der Architektur kann es nicht liegen, denn Burgen ganz ähnlicher Bauart können völlig unterschiedliche Atmosphären haben. Es gibt eine Theorie die besagt, Orte hätten ein Gedächtnis. Sie speichern die Energie der Menschen, die an ihnen gelebt haben - im Guten wie im Schlechten. Großherzigkeit, Glück und Freude, aber auch Brutalität, Qual und Tod bleiben als Aura zurück, wenn die Menschen schon lange verschwunden sind. Das fest in der Tradition vieler Kulturen verankerte Ritual des Räucherns von Räumen geht unter anderem darauf zurück - man möchte damit ein Haus von negativen Energien, von "bösen Geistern" befreien. An diesem Tag hätte alles Räucherwerk der Welt nicht ausgereicht, um die Atmosphäre des Ortes ins Friedliche umzukehren...




Wo wir an diesem Septembertag waren, wie es im dunklen Inneren der Festung aussieht und was es mit diesen düsteren und doch faszinierenden Mauern auf sich hat, das erzähle ich euch dann Morgen. Und nein... in Schottland war es nicht. ;-)
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Für mich ist "blauer Himmel" nur die Minimalversion gegenüber der beeindruckenden und faszinierenden Dramatik, zu der unser Himmel in Verbindung mit Sonne, Mond und Wolken fähig ist. Deshalb zeige ich hier jeden Samstag eines oder auch mehrere Himmelsbilder, die ich die Woche über (oder auch bereits vor einiger Zeit) eingefangen habe. 

Wer mitmachen möchte ist herzlich eingeladen, seinen Himmel und den entsprechenden Post hier zu verlinken.
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Donnerstag, 27. Oktober 2016

Oktobertisch . Die echeverienunterminierte Madonna

Weiße Lilien assoziieren viele Menschen in ihrer wächsernen Blässe mit Trauer und einem Sargbouquet. Tatsächlich wirken sie in ihrer filigranen und eleganten  Perfektion einzeln und langstielig leicht kühl, erhaben und distanziert wie ein verhungertes englisches Model auf einer Schwarz-Weiß-Fotografie. Madonnenhaft eben. Ihre leicht hochnäsige Unnahbarkeit verliert sie aber, wenn sie in der Gruppe auftritt, die hohen Hacken ablegt, einen richtigen Strauß bildet und sich in bäuerlicher Keramik statt Kristall wiederfindet. Dann bleibt sie zwar immer noch eine reine und eher kühle Schöne, aber im Bündel ist sie gleich viel weniger distinguiert. Sie wird nahbar. Zumal, wenn Madame dann auch noch Gesellschaft bekommt von einer ländlichen Horde Schneckenhäuschen und drei selbstbewusst pummeligen Sukkulentendamen... sogar mit unrasierten Beinen.












Monatstische 2016



Meine anderen Monatstische findet ihr alle > hier.


verlinkt mit:  
12tel-Blick bei Tabea
Friday-Flowerday bei Helga
Monatstisch Juli, 12tel Blick, Tischdeko Herbst, Natürlich Wohnen, Steingut, bäuerliche Keramik, Madonnenlilien, Lilien, weiße Lilien, Schneckenhäuser, Schneckenhäuschen, Sukkulenten, Holzschale, Schaffell, Pulloverkissen, Strickkissen

Samstag, 22. Oktober 2016

In heaven No. 236 - Apfelhimmel

Voll hängen die Bäume in diesen Jahr, schwer biegen sich ihre Äste unter der Last von tausenden Äpfeln. Schaut man von unten hinauf in die vollbepackten Kronen, dann kann man kaum den Himmel sehen. Ein bisschen lugt das satte Herbstblau nur durch ihre vollbepackten Zweige und ist gleichzeitig doch der schönste Hintergrund, um das Rot noch satter, appetitlicher und praller erscheinen zu lassen, als es sowieso schon ist. Mit dem Container aus Übersee verschiffte Äpfel könnten niemals saftiger und leckerer sein, als rotbackige Oktoberäpfel direkt vom Baum. Ein schwer apfellastiger Herbsthimmel... prallrote Apfelliebe im Oktober.







Herbstfest im Freilandmuseum Bad Windsheim.

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Für mich ist "blauer Himmel" nur die Minimalversion gegenüber der beeindruckenden und faszinierenden Dramatik, zu der unser Himmel in Verbindung mit Sonne, Mond und Wolken fähig ist. Deshalb zeige ich hier jeden Samstag eines oder auch mehrere Himmelsbilder, die ich die Woche über eingefangen habe. 

Wer mitmachen möchte ist herzlich eingeladen, seinen Himmel und den entsprechenden Post hier zu verlinken.
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