Montag, 24. April 2017

Wie...

Wie würdest du gerne wohnen? Eine Frage, die allen Menschen im Laufe ihres Lebens irgendwann oder auch öfter festellt wird. Vor allem aber eine Frage, die man sich selbst immer wieder von Neuem stellt. Wie würde ich gerne wohnen? Die Antwort darauf wandelt sich mit den Jahren, wie die Antworten auf viele andere Fragen des Lebens auch, denn wir haben irgendwann mehr von der Welt gesehen, die unterschiedlichsten Menschen getroffen, die verschiedensten Orte besucht, uns in vielen Gebäuden aufgehalten und kennen uns immer besser. Unsere Bedürfnisse wandeln sich mit dem Älterwerden. Vielleicht ist es aber auch eher ein Entwickeln als ein Wandeln - im Sinn von Max Frisch, der einmal sagte "Die Zeit verwandelt uns nicht. Sie entfaltet und nur."
Wenn ich mir ansehe, wie sich meine persönlichen Wohnbedürfnissee und mein Raum- und Einrichtungsgeschmack über die letzten Jahrzehnte entwickelt haben, dann stelle ich fest, dass sie sich entfaltet und einen Kreis vollzogen haben und zu ihrem Ursprung zurückgekehrt sind. Je älter ich werde, desto weniger möchte ich um mich haben und desto höher und gleichzeitig archaischer sind meine Ansprüche an gut gestaltete, funktionale Räume und Dinge aus schönen Materialien. 




Wenn ich die Wahl hätte, dann würde ich wohl grade am liebsten in eines dieser alten Jurabauernhäuser einziehen. Kreuzgewölbe, ein Boden aus Jurakalk und Türen und Treppen aus Holz. Die Weite der Räume, ihre Blickachsen und ihr Lichteinfall, die Sichtbeziehungen nach draußen ins Grüne, die Struktur und Haptik der Oberflächen und die natürliche Farbigkeit, Unaufgeregtheit und Schlichtheit der Materialien sprechen mich ganz tief im Inneren an und lösen ein wohliges Grummeln in meiner Seele aus.






Das für Altmühlfranken charakteristische Jurabauernhaus wurde 1497 auf der Ruppmannsburger Hochfläche in Reichersdorf bei Roth erbaut. 1697 wurde es aufgrund des schlechten Zustandes so gut wie neu errichtet, 1843 umgebaut und 1875 um einen Stallanbau erweitert. Ein letzer Umbau erfolgte im Jahr 1923, bevor es dann im Jahr 1987 in ganzen Wandelementen abgetragen und 2010 - 2012 im Fränkischen Freilandmuseum Bad Windsheim wieder aufgebaut wurde.
Das Erdgeschoß des Hauses wurde aus Kalkbruchsteinen gemauert, der flache und breite Dachstuhl aus mächtigen Balken trägt eine 70 Tonnen schwere Eindeckung aus Kalkplatten, die in den Steinbrüchen der Region (damals noch günstig) abgebaut wurden. Der prächtige Stallanbau mit böhmischem Gewölbe aus dem Jahr 1875 verrät, dass es sich bei den damaligen Besitzern um eine sehr wohlhabende Bauernfamilie gehandelt haben muss.
Eine Besonderheit birgt dieses Haus außerdem: im hinteren Teil des Gebäudes befand sich ein unterhalb der Küche beginnernder und bereits in der Bauzeit des Hauses angelegter unterirdischer Geheimgang, der das Haus im Bauernkrieg 1524/25 direkt mit der schützenden Kirche nebenan verband und durch den sich die Bewohner rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten, wenn Gefahr drohte. Auch das käme mir übrigens sehr gelegen. ;-)








Vielleicht begegnet mir ja ein ähnliches Haus auf meinen Wegen und möchte gerne unser neues Zuhause werden? Und dazu ein Lottogewinn vielleicht? Ich übe mich eifrig im Affirmieren, denn ins Museum darf ich wohl leider nicht einziehen...

Mehr Bilder aus dem Freilandmuseum Bad Windsheim findet ihr  > hier.
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Kommentare:

  1. Liebe Katja, ja, da kann ich Dir gut nachfühlen... Zu gerne hätte ich einen alten (Bauern-)Hof - und dann dazu gerne gleich noch ganz viel Zeit für den Unterhalt und die Tierchen.
    Leider hat auch bei mir die Lotto-Fee noch nicht angeklopft, aber wer weiss, irgendwann :-)
    Ich tröste mich dann jeweils damit, dass man noch Träume und Wünsche haben muss, denn ein Traum- und Wunschloses Leben wäre zu traurig.
    Liebe Grüsse, Miuh

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  2. Eine wahre Hauspersönlichkeit! Ich bin immer wieder froh, dass es Freilichtmuseen gibt, solche zu bewahren.
    Eine gute Woche!
    Astrid

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  3. So würde ich auch gerne wohnen- der Lichteinfall ist für mich besonders wichtig, darauf habe ich bei jedem Wohnungswechsel geachtet. Jetzt haben wir zu allen Himmelsrichtungen Fenster.- Im Freilichtmuseum bin ich gerne auf den Spuren der vergangenen Architektur und würde gerne in so alten traditionellen Wänden wohnen- aber ..... ohne ein gutgefülltes Bankkonto-- wer soll das bezahlen !!!
    Gruß zu dir
    heiDE

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  4. Das wäre auch ein Haus nach meinem Geschmack. Die Vorstellung, wie ich gerne wohnen würde, hat sich mit der Größe des Haushalts, mit dem Alter und den Erfahrungen geändert. Im Moment nutzt das Wissen nur wenig, weil Wohnraum hier immer unbezahlbarer wird (kann man "unbezahlbar" steigern??)
    Liebe Grüße
    Andrea

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  5. Meistens sind diese Bauernhäuser ja ziemlich dunkel, aber dieses finde ich auch sehr schön. Einfach wohnen, das mag ich auch. Mir hat es der skandinavische Wohnstil angetan, ich finde es faszinierend, wie Alt und Neu dabei anscheinend mühelos integriert werden. Momentan haben wir ziemlich viel
    Ursel

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  6. Was für wunderbare Bilder und ein wirklich prachtvolles Haus!
    Herzliche Grüsse
    Irina von https://nahtlosstricken-dasbuch.blogspot.de

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  7. das haus und deine bilder sind einfach unglaublich schön!!
    ich hab immer von einem kleinen bauernhaus mit nebengebäuden, verwildertem garten und mit einer streuobstwiese geträumt. immerhin hab ich die beiden letzteren sachen bekommen, auch wenn die wiese nur aus drei obstbäumen besteht...
    liebe grüße
    mano

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  8. Was für tolle Bilder Katja! Auch ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich meine Bedürfnisse und mein Geschmack in Sachen Wohnen mit den Jahren verändert haben. Ich liebe immer mehr die Leere, die Farbe Weiß und großzügige, helle Räume mit viel Freiraum. Hat vielleicht damit zu tun, dass das Leben immer komplexer wird. ;-)
    Viele liebe Grüße
    Birgit

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  9. Hallo Katja,
    das sind wunderschöne Fotos. Auch ich merke, dass sich mein Geschmack verändert hat. Während es mir noch vor wenigen Jahren nicht bunt und schnörkelig genug sein konnte, lege ich jetzt gesteigerten Wert auf schlichte Formen. Auf weiß, grau, auf Leinen, auf sorgsam Ausgesuchtes, auf Altgedientes und Geflicktes. Der Kleinkram, von dem ich mich nicht trennen kann oder will kommt in schöne Boxen.
    Viele Grüße, Ute

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  10. Liebe Katja, an das Raumgefühl in dem alten Bauernhaus kann ich mich noch gut erinnern. Ich würde gerade sehr gern in einem alten fischerhaus an der Ostsee wohnen, mit feinem Bauerngarten, in dem die Stockrosen und die echten Rosen um die Wette wachsen.

    Liebe Grürße
    Nula

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  11. Unfassbar schön diese Räume und deren Materialien! Warst Du allein in dem Haus? Ich würde gerade zu gern die Akustik testen und die Behaglichkeit fühlen... Es muss wunderbar sein! Ein Traum von einem Bau!

    Herzliche Grüße . Maren

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  12. Schade darfst du nicht... ich bin hundert sicher, dass du dieses Schmuckstück museal würdig bewohnen würdest... ;-) ... "Daumen-drück"-Grüsse für den Lottogewinn (vielleicht mal im Universum ordern *schmunzel*), Sibylle

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  13. diese materialien mit ihren gesunden und schön gealterten oberflächen. da kann man tatsächlich von entfaltung sprechen. und dazu diese perfekten farben! so reduziert hätte ich es auch gern um mich. oder sagen wir, fast so reduziert ;o)

    liebe grüße . tabea

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Schön, dass Du hier bist. Ich freue mich über deine Worte!