Mittwoch, 14. Februar 2018

Die Weidenkätzchen.

Kätzchen, ihr, der Weide,
wie aus grauer Seide,
wie aus grauem Samt!
O ihr Silberkätzchen,
sagt mir doch, ihr Schätzchen,
sagt, woher ihr stammt. 




»Wollen’s gern dir sagen:
Wir sind ausgeschlagen
aus dem Weidenbaum;
haben winterüber
drin geschlafen, Lieber,
in tieftiefem Traum.« 




In dem dürren Baume
in tieftiefem Traume
habt geschlafen ihr?
In dem Holz, dem harten,
war, ihr weichen, zarten,
euer Nachtquartier?





»Mußt dich recht besinnen:
Was da träumte drinnen,
waren wir noch nicht,
wie wir jetzt im Kleide
blühn von Samt und Seide
hell im Sonnenlicht. 




Nur als wie Gedanken
lagen wir im schlanken
grauen Baumgeäst;
unsichtbare Geister,
die der Weltbaumeister
dort verweilen läßt.«



Kätzchen, ihr, der Weide,
wie aus grauer Seide,
wie aus grauem Samt!
O ihr Silberkätzchen,
ja, nun weiß, ihr Schätzchen,
ich, woher ihr stammt!


(Christian Morgenstern)*


* Gedicht "Die Weidenkätzchen" aus "Klein Irmchen", entstanden ca. 1910
Christian Morgenstern - Werke und Briefe. Kommentierte Ausgabe, Bd. 3. Hg. Maurice Cureau. Stuttgart: Urachhaus 1990, S. 430-431
Quelle: Wikisource


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Kommentare:

  1. Bei mir klingt es gleich im Ohr bei diesen Zeilen, und ich höre meine Kinder die vertonte Version singen, die sie im Kindergarten gelernt hatten. Lang ist's her. Bei mir stehen sie gerade auch in der Vase, nur fehlt die vierbeinige Fellversion.
    Schön sieht es bei Dir aus, der Grünton der Wand wirkt so frühlingshaft frisch.
    Liebe Grüße
    Andrea

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  2. Was für ein schönes Gedicht! Ich kannte es noch nicht! ... und werde selbst zum Poeten :). Ab und an durch deine Blogposts zu lesen tut richtig gut.
    Lieben Gruß
    Gabi

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  3. Nach einer strengen Woche ist es soooo wohltuend deine Bilder zu betrachten, das Gedicht zu lesen und sich dabei leise denken, "ach könnt' ich doch auch winterüber schlafen... ", um im Frühling dann mal wieder "in vollem Saft" zu stehen. Neckisch, dein Fellmädchen auf dem 6. Bild - beinahe übersieht man es. Recht herzliche Grüsse, Sibylle

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  4. Ein Klassiker auf meinen poetischen Spaziergängen im späten Winter... Lieben Gruß Ghislana

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